Unruh I - Konzerte und Symposium
30. Mai 2008 | Forum für Kunst und Architektur Essen
Musiken zwischen Stille und Lärm
Seit den 60ziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird der öffentliche und private Raum von einem stetigen Crescendo erfasst und geprägt. Dieses Anschwellen der Klangteppiche in Fahrstühlen, Wartezimmern und Bahnhöfen, die stete Berieselung von Cafés, Einkaufspassagen, Supermärkten und öffentlichen Plätzen und der Versuch durch klingende Logos, Klingeltöne oder akustisches Objektdesign um die Gunst des Konsumenten zu werben, hat unsere klingende Umwelt nachhaltig verändert. Hintergrundmusiken wollen nicht unsere Aufmerksamkeit. Sie wollen die Umwelt berieseln und den Konsumenten einlullen. In einer Resolution der UNESCO heißt es: "Wir verurteilen einstimmig die unerträgliche Verletzung der individuellen Freiheit und des Rechtes eines jeden auf Ruhe, angesichts des Missbrauchs aufgezeichneter oder übertragener Musik an privaten und öffentlichen Orten."
UNRUH stiftet zum bewussten Hören an und ist überzeugt dass: „die Gestaltung der Klangwelt, von innen her ihren Anfang nehmen muss, dass von sensibilisierten Menschen selbst nach dieser Gestaltung verlangt werden muss, wenn sie wirksam sein soll." (Murray Schafer)
UNRUH fragt nach einer akustischen Ökologie, einem umweltbewussten Hören.
UNRUH sucht die Spuren in denen sich die Veränderungen unserer Klanglandschaften in den Musiken des 20. und 21. Jahrhunderts niedergeschlagen haben.
UNRUH stößt eine musikalisch-akustische Vermessung der Lautsphäre des Ruhrgebiets an, auf der Suche nach ihren Grundtönen, Signallauten ihren Pulsen und ihren Zonen der Ruhe.
UNRUH bringt aktuelle musikästhetische Strategien zum klingen und zeigt wie Komponisten die Ohren für die Stille öffnen, klingende Perspektiven auf unsere Städte werfen und den Lärm in den Konzertsaal bringen.
Symposium
- Peter Brdenk
- Dr. Stefan Drees
- Hannes G. Seidl
Konzert I Klanglandschaften
oh ton - Ensemble
Ohrenzeugen I :
Florian Hartlieb
An einem Sonntag
Peter Ablinger
kleine Trommel und UKW-Rauschen („Conceptio“)
für snare drum, FM-receiver
Holger Klaus
...ganz leise, befremdliche Empfindung...
für Piccoloflöte und Akkordeon
Ohrenzeugen II
Kerim Karaoglu
Bochum Schalke 0:3
Robin Hoffmann
Œhr
für Hören solo
Eric Satie
musique des ameublement
für Akkordeon
Ohrenzeugen III
Maximillian Marcoll
Notturno. Kanon mit Schalentieren.
Hannes G. Seidl
Die Illusion zu erzeugen, dass die Zeit dynamisch und bedeutsam vergeht
für Schlagzeug und 4-Kanal Elektronik
Ohrenzeugen IV
Elisabeth Swarc
Rolltreppe - Essen, Bismarckplatz
Peter Ablinger
Piccolo und Rauschen
für Piccoloflöte,CD
Ohrenzeugen V
Johannes Schmidt
Uferblatt
Konzert II Roaring Silence
Vancouver Soundscape Projekt | Entrance to the harbour
Francisco Lopez | Building
Trevor Wishart | Memories of Madrid
Agostino di Scipio | Studie über Hintergrundgeräusche
Luc Ferrari | preque rien No.1, le lever du jour au bord de la mer
Displayce | Karl Ortmann
UNRUH
Die Unruh ist ein Bauteil eines Uhrwerkes, sie ist ein präzise gefertigtes Rädchen, das an den Wellenenden Zapfen zur Lagerung hat. Die Spiralfeder bildet mit der Masse des Rädchens ein schwingungsfähiges Gebilde. Die Genauigkeit der Schwingung der Unruh bestimmt die Genauigkeit der Uhr. – So, wie die Unruh die Uhr in Bewegung versetzt, so will UNRUH Menschen in Bewegung versetzen. Unruhe – äußere und innere – ist eine Voraussetzung für das Schaffen von Kunst. Unruhe braucht es, um Kunst zu rezipieren. Unruhe braucht es, um lebendig zu sein.